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Kopierte Glieder

  • 08/03/2002

KOPIERTE GLIEDER
Ersatzteile aus dem Labor

Künstliche Gewebe im Körper und körpereigene Gewebe, hergestellt im Labor. Die Gewebezüchtung, im Bunde mit der Medizintechnik, ist auf dem Vormarsch.
Können so ganze Organe entstehen? Kann bald jedes Körperteil ersetzt werden? Versprechen uns Mediziner leichtfertig alles – oder erwarten wir zuviel? Was denken Forscher über die Zukunft der Medizin?

Ein Traum der Menschheit: ein Jungbrunnen, der das Leid für immer besiegt und ewige irdische Freuden möglich macht. Das Bild von Lucas Cranach dem Älteren dokumentiert eine Wende. Ein neues Bewußtsein – ein Körperbewußtsein – macht sich breit. “Wir hatten früher im Mittelalter immer das Format, das wir von unten nach oben geschaut haben, unten der Mensch, in seinem irdischen Leben und dann der Blick nach oben, praktisch ins Jenseits und der Mensch musste durch, theologisch gesprochen, den Tod hindurch in das Jenseits nach oben steigen und das Bild ist also immer vertikal aufgebaut, von unten nach oben. Und jetzt wenn sie sich das Bild von Lukas Cranach anschauen, haben sie eine Veränderung des Formats. Das Bild wird gekippt, wir lesen dieses Bild nicht mehr von unten nach oben sondern von links nach rechts.” (Dr. Kurt Schmidt, Theologe)

Die Menschen glauben nicht mehr an das Jenseits, da bleibt ihnen nur das Irdische. Hier wollen wir bleiben, so lange es geht. Eine Institution sorgt für die notwendigen Kuren. Das ist die Geburtsstunde der modernen Medizin.

“Am Ende dieses Jungbrunnens, wenn die Menschen das Durchlaufen haben, besteht der immer wieder die Hoffnung und die Möglichkeit, wenn es einem schlecht geht, man steigt herum die auf der anderen Seite wieder zurück, in den Jungbrunnen hinein, weil es einem schlecht geht und kann wieder die Segnungen der Medizin genießen. Und das ist ein faszinierendes Bild, das die Erwartungen und Hoffnungen, die Sehnsüchte des Menschen ausdrückt an unser Gesundheitssystem.”
Wir wollen Ersatzteile für unsere Körper: Knorpel, Gefäße, Organe. Wir meinen den Körper zu durchschauen. Wir kennen jedes Einzelteil. Und wenn er nicht mehr ist, als die Summe seiner Teile, dann lassen sie sich auch alle einzeln ersetzen – früher oder später.

 

Eine Produktion der
André Rehse Medienproduktion
im Auftrag von
ZDFdokukanal
ZDF/3sat